Rothenburgsorter Statistik
29. Juli 2008
Sommer 2008: Abendblatt macht aus Statistik-Ente große Geschichte und dabei Rothenburgsort schlecht. So kanns gehen, wenn falsche Zahlen nicht auffallen und ungeprüft in eine große Berichterstattung übernommen werden. Rothenburgsort, mal wieder. Überall gehen die Arbeitslosenraten zurück, Hoffnung färbt den Hamburger Arbeitslosenatlas im Abendblatt allerorts grün. Nur nicht in Rothenburgsort. Tiefrote Warnung vor dem Stadtteil: Hier sei die Arbeitslosigkeit um 3 auf über 15% gestiegen!
Auf der Benachbarten Veddel hingegen gäbe es – laut Statistikamt – eine Positiventwicklung: 7,1% weniger Arbeitslose wurden dort vermeldet. Da kann doch was nicht stimmen? Nicht so das Abendblatt, das am nachlegte mit einer großen Geschichte über die (un)gleichen Stadtteile. Sind die Studenten schuld, die schon seit vier Jahren auf der Veddel wohnen, aber jetzt erst statistisch auffallen? Das hätte aber doch nichts mit Rothenburgsort zu tun?
Es wäre vielleicht die erfolgreiche Senatspolitik, die die Veddel so nach vorn gebracht hätte, erstaulich sei allerdings, dass die Rothenburgsorter gar nicht so richtig merken, wie schlecht es ihnen geht – so die tiefschürfenden Erklärungsversuche der Abendblatt-Redaktion. Auffällig seien die Zahlen ja schon, bemerkte man, und vielleicht ja auch Zufall? So blieb das Ganze dann stehen.
Ein Blick in die Statistiken zeigt: von Juli bis Dezember letzten Jahres ist die Zal der Arbeitslosen in Rothenburgsort um 30 gesunken, die Bevölkerung um 400 angewachsen – aber die Quote der Arbeitslosen soll um 5% gestiegen sein!? Was da wohl dahinter steckt? Ist fast die Hälfte der 15-65-Jährigen, auf die bezogen die Quote errechnet wird, weggezogen? Eine demografische und stadtentwicklungspolitische Sensation?
So erstaunlich ist das Ganze gar nicht. Ein einfacher Dreisatz bringt zutage: Die Zahlen müssen schlicht falsch sein.
Inzwischen und nach einem Anruf beim Statistikamt ist auch klar, was die Ursache für die fehlerhafte Veröffentlichung ist: Bei der Eingabe der Bevölkerungszahl wurde die (viel kleinere) Veddel mit Rothenburgsort vertauscht. Die annähernd gleich gebliebene absolute Arbeitslosenzahl in beiden Stadtteilen wurde so in einem Fall auf eine viel kleinere, im anderen auf eine viel größere “Kopfzahl” verteilt. Das ergab natürlich prozentual gesehen dramatische Veränderungen.Von der Veddel von 12,9 auf 5,8 (Rückgang), in Rothenburgsort von 9,8 auf 15,8 (Anstieg): die Veröffentlichung der Statistiker ist schlichtweg falsch. Die Arbeitslosigkeit in Rothenburgsort ist nicht gestiegen, sondern gesunken – wie überall in Hamburg. Und auf der Veddel gibt es keine Veränderung – die Arbeitslosenquote blieb die gleiche.
Dass Zahlen vertauscht werden, kann wohl passieren. Dass es vor der Veröffentlichung niemand merkt, ist bedauerlich. Erstaunlich finde ich, dass das Statistikamt selbst in seinem Begleittext auf die dramatische Veränderung hinweist, aber offenbar keinen Anlass sieht, die Situation noch einmal zu prüfen. Und natürlich ist es sehr schade, dass Hamburgs größte Zeitung dies einfach abschreibt. Auch dort hätte man schließlich merken können, dass etwas nicht stimmt, wenn die absolute Zahl der Arbeitslosen in Rothenburgsort zurückgeht, zugleich aber die Quote dramatisch steigt.

